Auf Achse

Stimmungs-Aufheller

Route des Crêtes (F)

19.11.2017 16:07 (mk/ps)

Die Route des Crêtes, ursprünglich eine Militärstrasse, die im Ersten Weltkrieg zur Versorgung der Armee bei der Eroberung des 1871 an das Deutsche Reich gefallenen Elsass gebaut wurde, ist heute eine der schönsten Töffpassstrassen.


Dutzende Richtungswechsel laden auf der Route zum Kurvenräubern ein. (Für mehr Bilder klicken)

Col du Bonhomme, Col de la Schlucht und Grand Ballon sind Namen, die jedem Töfffahrer das Herz weiten. Kurz hinter Mulhouse schlängelt sich die D 431 in weiten Kehren den ersten Vogesenkamm hinauf. Die Umgebung ist herrlich: Am Anfang führt die Route als liebliche Weinstrasse durch Rebhänge und das Weindorf Cernay. Wenige Kilometer weiter wartet ein über die Grenzen hinaus bekanntes Töffler- paradies: die Route des ­Crêtes.

 

Die dunkle Seite der «Route»

Die Panoramastrasse in den südlichen Vogesen zählt zu den schönsten Töffstrecken Europas. Über 77 km verläuft das gut ausgebaute Asphaltband auf über 1000 m Höhe zwischen dem Lac Blanc und Cernay. Beinahe endlos reihen sich die Kurven aneinander, einmal weit, offen und schnell, dann wieder unübersichtlich, eng und langsam. Herrliche Wälder säumen die Hänge, und türkisblaue Seen in den Tälern laden zum Baden ein. Alte Burgen, Schluchten und Pässe – und im Tal die Fachwerkhäuser, über denen Störche, übrigens das Wappentier der Region, ihre Kreise ziehen, so kennen es viele, das ­Elsass. Man kann es kaum fassen, dass ausgerechnet diese Töff-Idylle so eine kriegerische Geschichte hat: Denn was kaum jemand auf der herrlichen Kurvenjagd realisiert, ist, dass die «Route» keineswegs auf Vorschlag cleverer Frem­den­­verkehrs­fachleute angelegt wurde. Ganz im Gegenteil: Es war die französische Armee, die während des Krieges 1914 bis 1918 diese Strecke als strategische Nord-­Süd-­Verbindung in Auftrag gab, als militärische Höhen­stras­se zur Verteidigung gegen die, wie es damals hiess, «Barbaren im Osten». ­Darum also ist die Route des Crêtes bei Töfflern so beliebt, weil sie in erster ­Linie keine Orte, sondern (strategisch wichtige) ­Höhenzüge miteinander verbindet.

 

Auf dem «Menschenfresser»

Einer davon ist der 956 m hohe Hartmannsweilerkopf am südlichen Anfang der Route. Im Ersten Weltkrieg wurde der Gipfel auch «Menschenfresser» genannt, weil er als östlicher Vorgipfel der Vogesen vor allem im Winter 1915 blutig umkämpft war. Er wurde ­erobert und zurückerobert. Wer auf der Serpentinenstrecke von Mulhouse einen kurzen Blick neben die Stras­­se riskiert, findet den Beweis: Auch bald 100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges ist der Wald­boden noch immer eine einzige Trichterlandschaft. Nicht zu übersehen ist auch der direkt an der Strasse gelegene grosse Ehrenfriedhof auf der Passhöhe für die ­gefallenen französischen Soldaten. Die Krypta davor erinnert an deutsche und franzö­sische Gefallene, die nicht identifiziert werden konnten.

 

Pittoreskes Colmar

Nach diesem traurigen Streifzug und einem weiteren am Lingekopf lohnt es sich, die pittoreske Altstadt von Colmar anzusteuern. Also besser Gas auf und weiter! Die D 11 windet sich von Orbey steil hinunter nach Les Trois Epis und weiter bis vor die Tore der Stadt.

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