Test und Technik

DUCATI MONSTER 797

Ducati fürs Volk

25.04.2017 00:00 (schiffmann/cr)

1992 erblickte mit der Monster 900 die erste ihrer Gattung das Licht der Welt. Heute, 25 Jahre später, lanciert Ducati die wohl letzte Monster mit dem ursprünglichen Motorenkonzept: V2-Zweiventiler, luftgekühlt und somit so nah an der Ur-Monster wie keine andere in der Modellpalette.

ENDE MÄRZ, SÜDFRANKREICH,

Test der neuen Ducati Monster 797: Das klingt nach einem traumhaften Arbeitsauftrag, was es natürlich auch ist. Aber wie so oft folgt auf die Begeisterung sogleich die Ernüchterung. Keine Angst, ich spreche nicht von der Monster, sondern vom lieben Petrus, der es wieder mal alles andere als gut mit uns meinte. Während hier in der Schweiz schon beinahe sommerliche Wetterverhältnisse herrschten, wurde an diesem Wochenende ausgerechnet der Süden Frankreichs von einer miesen Schlechtwetterfront heimgesucht. Und obwohl es ja kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung gibt, ist Regen bei Motorradtests zumindest mühsam.

 

NUTZE DIE TROCKENEN STUNDEN

Glücklicherweise gewährte uns Petrus am Freitag aber noch eine Galgenfrist, und so starteten wir direkt nach der Ankunft im Hotel etwas südlich von Nizza unsere erste Testfahrt mit der neuen Monster auf den noch trockenen Strassen. Diese winden sich hier an der Küste in so schönen Radien den Klippen entlang, dass man die tolle Aussicht schon nach wenigen Kurven komplett ausser Acht lässt und sich nur noch aufs Wesentliche konzentriert: das Fahren. Die neue kleine Monster – Ducati nennt sie und ihre Vorgängerinnen, wie beispielsweise die M696, liebevoll Monsterino – fühlt sich in den engen Kurven und aufregenden Rechts-Links-Kombinationen auf Anhieb pudelwohl. Die Sitzposition wurde zwar im Vergleich zur Monster 821 etwas gemütlicher – Fussrasten tiefer und weiter vorne, Lenker näher am Fahrer – ausgelegt, ist aber noch immer ausreichend aktiv für den zügigen Kurvenspass.

 

AGIL UND TROTZDEM WIE AUF SCHIENEN

Die kurvige Küstenstrasse, deren Asphalt auch die eine oder andere Unebenheit bereithält, ist die ideale Teststrecke, um dem Fahrwerk auf den Zahn zu fühlen. Die Federelemente, bestehend aus einer 43-mm-Upside- Down-Gabel (nicht einstellbar) von Kayaba und einem dezentral angebrachten Sachs-Federbein (Vorspannung und Zugstufe einstellbar), erledigen ihren Job hervorragend. Es ist schon beinahe dekadent, wie einfach sich die Monster in diesem Kurvengewirr fahren lässt. Mit minimalem Lenkimpuls am breiten Lenker, kippt die Duc in Schräglage, wo sie ihre Linie auch bei Unebenheiten in der Unterlage nahezu stoisch hält und uns via Scheitelpunkt zielgenau zum Kurvenausgang führt. Ducati scheint also beim Einstellen des Fahrwerks eine sehr gute Mischung gefunden zu haben, denn trotz der Genauigkeit, mit der sich die Italienerin dirigieren lässt, wirkt sie nie zu hart und federt Schläge und Bodenwellen gekonnt weg. Wie es diesbezüglich im High-Speed-Bereich aussieht, können wir nach dem verregneten Test noch nicht beurteilen, wobei die Monster ja auch nicht primär für Geschwindigkeitsenthusiasten entwickelt wurde.

 

TOP HARDWARE ZUR TEMPOREDUKTION

Apropos Geschwindigkeit: Hat man diese erst einmal aufgebaut, soll sie auch gekonnt wieder verringert werden können. Dafür sind am Vorderrad der Monster zwei halbschwimmend gelagerte 320-mm-Scheiben und radial montierte Brembo-Monoblocks M4.32 zuständig – äusserst hochwertige Hardware also, die Ducati der Einsteigermonster hier spendiert hat. Trotz der enormen Bremspower, die dieses System zu liefern imstande ist, sind die Bremsen nicht zu bissig abgestimmt. Dies mag erfahrenere Fahrer auf Anhieb verwundern, macht aber Sinn, wenn man sich die Zielgruppe der 797 vor Augen führt. Um Einsteiger nicht zu überfordern, packen die Zangen zu Anfang relativ sanft zu, greift man aber dezidiert in die Eisen, offenbaren die Monoblocks ihr eigentliches Können. Wird nun trotzdem mal etwas zu stark zugepackt, kommt das Bosch-ABS zum Zuge und verhindert das Wegrutschen des Vorderrads. Bei meiner Testfahrt hat das ABS am Vorderrad übrigens – bis auf den Test bei absichtlicher Vollbremsung – nie eingegriffen, es lässt also auch eine relativ sportliche Gangart ohne Einwände zu.

 

WIE IN DEN GUTEN ALTEN ZEITEN

Kommen wir zum Herz und, meiner Meinung nach, auch der Seele der neuen Ducati Monster 797: dem Motor. Bei der Hubraumangabe übt sich Ducati übrigens in Bescheidenheit, denn das Kraftwerk der Duc verfügt nicht etwa über 797 cm3, sondern über deren 803, wobei diese Zahl wohl nicht ins Namensschema der Bologneser gepasst hat. Die wichtigste Eigenschaft des V- oder, wie ihn Ducati nennt, L-Twins mit 75 PS bei 8250 und 68,9 Nm bei 5750/min ist, dass dieser nicht wasser-, sondern luftgekühlt ist und über zwei und nicht vier Ventile pro Zylinder verfügt. Ganz wie die Urahnen der hübschen Italienerin es für lange Zeit waren. So ist denn auch der Sound des Twins, der übrigens auch in den Scrambler- Modellen seinen Dienst tut, anders, als bei den wassergekühlten Vierventilern. Dumpfer, grollender, irgendwie weniger aggressiv, aber alles in allem – zumindest nach meinem Geschmack – runder, als der Sound, der die grossen Schwestern aus den Endrohren entweichen lassen. Mit grossem Schalldämpfervolumen unter dem Motor fiel der Endtopf übrigens eher klein aus, schlicht und in Anbetracht von Euro 4 schon im Serienzustand relativ hübsch anzusehen, der entweichende Klang ist nicht leise, aber auch nicht so laut, dass Ohrstöpsel vonnöten wären. Der Vortrieb dieses Aggregats lässt sich ähnlich beschreiben: Genug Power fürs engagierte Kurvencarven, aber nie überfordernd. Je nach Drehzahl und Steigung wäre hie und da zwar etwas mehr Druck wünschenswert, aber auch hier sollte man sich die Zielgruppe der kleinen Monster in Erinnerung rufen, obwohl mit diesem Bike nicht nur Einsteiger Spass haben werden.

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